LEBEN BIS ZULETZT
Ambulante Sterbebegleitung in Spandau
Auf dieser Seite finden Sie aktuelle Berichte aus der Arbeit im ambulanten Hospizdienst, Nachrichten und Informationen zu Veranstaltungen.
Aktuelle Nachrichten
Stellenausschreibung
Wir suchen zum 1. September 2012 in Teilzeit (0,50 VK) eine Mitarbeiterin/einen Mitarbeiter mit einem erfolgreich abgeschlossenen sozialpflegerischen Beruf
als Koordinatorin/Koordinator. Ihre Aufgaben umfassen die Organisation und Weiterentwicklung des ambulanten Hospizdienstes, die Begleitung der ehrenamtlichen Mitarbeiter sowie die Koordination ihres Einsatzes, Öffentlichkeitsarbeit.
Gründung des PalliativNetzSpandau in den Räumen des Johannesstifts
Am 1. März wurde in den Räumen des Simeon – Hospiz das PalliativNetzSpandau gegründet. Der palliative Gedanke ist in der Öffentlichkeit und auch im Raum Spandau noch nicht ausreichend repräsentiert. Die stationären Hospize und ambulanten Hospizdienste sind nur zwei von vielen Institutionen die den schwerstkranken,sterbenden Menschen begleiten. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Home Care, Therapeuten, Sozialdienste und Ärzte derumliegenden Krankenhäuser saßen an einem Tisch und tauschten ihre Gedanken miteinander aus. Wünsche und Visionen waren Themen, Zielewurden definiert. Ein Ziel ist es, nichtonkologische Patienten ebenso intensiv zubegleiten wie onkologische Patienten. Kooperierenden Einrichtungen sollten sich absprechen und beraten. Geplant und durch den Bezirksstadtrat Martin Matz unterstützt soll eine Koordinationskraft als Anlaufstelle für alle Bereiche, die sich um einen erkrankten Menschen drehen, eingestellt werden. Sechsmal im Jahr wird sich das PalliativNetzSpandauzusammensetzen. Eine Fallbesprechung, ein Kurzvortrag und der regelmäßige Erfahrungsaustausch werden Inhalt dieser Treffen sein, bei dem sich jeder Teilnehmer nach eigenem Ermessen gleichberechtigt einbringen kann.Es war ein Abend mit hochmotivierten Menschen die alle mit einem gemeinsamen Ziel in den Feierabend gingen. Mit dem Ziel, dass jeder Mensch, der durch eine Krankheit in Not geraten ist und gerät Hilfe und Unterstützung im Sinne von Palliative Care erhalten kann.
Palliative Care bedeutet, den ganzen Menschen mit Achtsamkeit, wie einen Mantel (Pallium) zu umhüllen und seine sozialen, körperlichen, psychischen und spirituellen Bedürfnisse und Nöte im Blick zu haben. Ein hoher Anspruch für den sich jedes Engagement lohnt. Davon war an diesem Dienstag viel zu spüren.
Abschied nach 11 Jahren im Christine Bourbeck Haus
nimmt das ambulante Johannes – Hospiz in den ersten Tagen des Novembers. Viele Jahre wurden die Arbeit der Koordinatorin, die Schulungs und Reflektionsabende von hier geleitet. Trauergespräche wurden geführt, Feiern ausgerichtet, Abschiede begangen und Arbeitsgemeinschaften gegründet. Direkt unter dem Dach des Hauses entstand im Jahr 1999 das Johannes – Hospiz unter der Federführungvon Annegret Tümmers, Martin Stoelzel – Rhoden und Diethelm Brune (+).
Zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begannen damals ihre Ausbildung mit hoher Motivation und Bereitschaftin ihrer Freizeit ehrenamtlich für Sterbende und schwerstkranke Menschen dazusein. An der Motivation hat sich nichts geändert, im Gegenteil. Das Thema Sterben und Tod bewegt sich immer mehr aus der Tabuzone heraus. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden gebraucht und in ihrer Kompetenzgefordert. Inzwischen unterstützen uns 62 Menschen ehrenamtlich. Die Anzahl der Mitglieder ist auf 18 Personen, die der Lebensbegleiter auf 38 und die der Ehrenamtlichen, die uns administrativ unterstützen auf 6 gestiegen. Im ersten Jahr hat der ambulante Hospizdienst ca. 40 Begleitungen abgeschlossen.Am heutigen Tag sind es 131 Begleitungen im Jahr 2010. Im Sommer 2009 bezog ich die neuen Räume im Erdgeschoß. Sehr viel Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit wurden mir entgegengebracht. Diesund das helle Büro mit dem Blick auf die Stiftskirche haben mich jeden Morgen gerne aufstehen lassen. Am 5. November habe ich diese Räume mit einem lachenden und weinenden Augeverlassen um meinen neuen Arbeitsplatz im stationären Simeon – Hospiz im Seniorenzentrum Caroline Bertheau zu beziehen . Von hier aus wird unsere Arbeit mit kleinen Änderungen dochin dergewohnten Form weitergeführt. Wir werden die Räume mit Leben, Wärme und Spiritualität füllen um den Gästen ein “vorletztes” zuhause zu bieten.
Mit Gottes Hilfe
Christine Knop
35 starke Menschen
35 von 58 Ehrenamtlichen , die nicht an der Siegessäule mit ausgebreiteten Armen auf die Stadt schauen. Hospizmitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ambulanten Johannes – Hospiz,die im Sinne der Menschen, sie sie betreuen und begleiteneinen ebenso großen Anteil daran haben, dass die Hospizarbeit reiche Früchte trägt und auf die wir mit recht stolz sein können. Wir haben diesen “Erfolg” gefeiert, in dem wir einen Ausflug gemacht haben, der uns nach Kyritz und nach Neuruppin führte.Gemeinsam haben wir gelacht, gebetet, sind bei wunderschönem Wetter spazieren gegangen, haben die Seen mit einem kleinen Schiff befahren und – wir haben sie nicht vergessen! Unsere uns anvertrauten Schwerstkranken und Sterbenden. Sie waren bei uns, in den Gesprächen am Rande, in den Gebeten in der kleinen alten Kapelle und sie waren auch in unserem Lachen. Wie wunderbar war dieser Tag, wie kraftvoll und stärkend. Schauen sie in die Gesichter dieser Menschen, die ihnen im evangelischen Johannesstift immer wieder über den Weg laufen werden. Sie müssen nicht an die Siegessäule fahren, um starke Menschen zu sehen.
Fremde Klänge in der Stiftskirche
lockten mich heute früh auf meinem Weg ins Theodor Fliedner Haus in unsere Stiftskirche. Zwischen dem Ausmessen meines Büros im neuen Simeon – Hospiz und der Schulung Palliative Care brauchte ich einen geistigen und spirituellen Start in den Tag. Schon zwei Tage lang beobachtete ich schwarzgekleidete Männerehrfüchtig durch die Anlage schreiten. Ich folgte einigen von ihnen in die Kirche. Dort fand ein Gottesdienst statt. Ein Mann mit goldenfarbiger Mitra und einem Zepter in der Hand befand sich im Mittelpunkt des Altarraumes. Einige Männer standen an der Seite und sangen gregorianische Gesänge, die in der Lautstärke auf und abebbten. Manchmal stimmten die anderen ein. Wieder andere, anderes und prächtigergekleidete Männer waren an der Seite des Erzbischofs. Einmal trat der eine, dann der andere vor und sangen in die Richtung der Gemeinde. Dünne, brennende Kerzen wurden wie verlängerte Arme zur Segnung in die Höhe gehalten. Ein Mönch schnitt Brot in kleine Scheiben, Weihrauch erfüllte den Raum. Als ein Mönch auf mich zukam, dachte ich, nun würde ich aus dieser, so speziellen Gemeinde ausgeschlossen werden. Nein, er drückte mir drei orangene Gebetskerzen in die Hand. In deutscher Sprache sagte er: für das Gebet zuhause. Dann mußte ich mich beeilen, denn die Teilnehmer des Schulungskurses warteten. Die Begegnung liess mich den ganzen Vormittagnicht los und so suchte ich die Mönche in der Mittagspause. Ich suchte im Festsaal, in der Kirche und auf dem Gelände. Wieder waren es die sonoren, getragenen Klänge, die mich zu ihnen führten. Im Christopherus Hotelwaren alle versammelt zum Gebet.“Wer sind Sie?” fragte ich. Dann erzählten mir einige Mönche, dass sie der griechisch orthodoxen Gemeinde in Deutschland angehörten und in diesemJahrim evangelischen Johannesstift diejährlich stattfindende Bischofskonferenz abhielten. Dann gingen alle ihrer Wege, nicht ohne einen Reisesegen, den auch ich erhielt. Mich hat diese Begegnung tief berührt, ich war in eine mir völlig fremde Welt eingetaucht, die mich auch jetzt nicht loslässt. Die Kerzen liegen vor mir auf meinem Schreibtisch. Ob ich sie jemals anzünden werde, weiss ich nicht.